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Das collegium musicum instrumentale münster lädt zum Sinfoniekonzert ein:

Henri Vieuxtemps (1820-1881)
Violinkonzert Nr. 4 d-Moll op. 77

Johannes Brahms (1833-1897)
Sinfonie Nr. 1 c-Moll op. 68

Eldbjørg Hemsing | Violine
collegium musicum instrumentale münster
Jürgen Tiedemann | Musikalische Leitung

Für die Konzerte im Sommer 2017 arbeitet das collegium musicum instrumentale münster zum ersten Mal mit der jungen Violinistin Eldbjørg Hemsing zusammen, die als eine der aufregendsten Geigerinnen ihrer Generation gilt. Im norwegischen Valdres geboren, begann Eldbjørg Hemsing im Alter von 5 Jahren mit dem Geigenspiel. Sie studierte bei dem angesehenen Barratt Due Institute of Music in Oslo wie auch bei dem berühmten Professor Boris Kuschnir in Wien. Zu den Höhepunkten ihres künstlerischen Schaffens im Jahr 2015/16 zählen u.a. ihre Debütaufnahme mit den Wiener Symphonikern unter Olari Elts, mit dem sie das Violinkonzert Nr. 1 von Schostakowitsch und das Violinkonzert von Borgström gespielt hat, vier Konzerte mit dem Hong Kong Philharmonic Orchestra und Tan Dun sowie Konzerte mit dem Shanghai Philharmonic Orchestra, eine Serie von Auftritten in Norwegen (u.a. in der Oper in Oslo), Schweden, Deutschland, Spanien und in den Niederlanden. Mit dem Royal Flemish Philharmonic Orchestra und Alan Buribayev hat sie im Herbst 2016 ein Album mit Werken der tschechischen Komponisten Dvořák und Suk mit dem Label BIS Records aufgenommen. Mehr über Eldbjørg Hemsing…

Über den belgischen Geiger und Komponisten Henri Vieuxtemps sagte Hector Berlioz: „Monsieur Vieuxtemps ist ein ungeheuerlicher Violinist im wahrsten Sinne des Wortes. Er bringt Dinge zustande, die ich noch nie von einem anderen erlebt habe. Er geht Risiken ein, die die Zuhörer zwar in Angst und Schrecken versetzen, ihn selber jedoch nicht im geringsten beunruhigen, da er genau weiß, dass er heil davonkommen wird“. Das Violinkonzert wird auch als „Symphonie der Violinkonzerte“ bezeichnet, wartet es doch in großer sinfonischer Besetzung mit vier Sätzen auf. Bradford Robinson schreibt: „Dass das Vierte Violinkonzert sogar einen Berlioz mit seinem kompositorischen Anspruch beeindrucken konnte, ist leicht begreiflich: Das Werk ist äußerst kühn konzipiert und fußt nicht so sehr in der eher eng gefassten Virtuosenkunst Paganinis [ein Vergleich, den Robert Schumann formulierte], sondern in der großen Tradition der deutschen Romantik, vor allem Beethovens. Am Anfang des ersten Satzes steht eine düstere, sehr breit angelegte Einleitung, deren Ausmaß an die Siebte Symphonie Beethovens erinnert und die zugleich reichlich mit Dissonanzen und Anspielungen auf die ebenfalls in d-Moll gehaltenen Komtur-Szene aus Don Giovanni aufwartet. Wenn der Solist dann schließlich doch einsetzt, führt er leidenschaftlich und mit äußerster Intensität ein einziges ausgedehntes, opernartiges Rezitativ vor, das in eine Solokadenz voller haarsträubender aufführungstechnischer Kniffe mündet. Ein alleinstehender Ton des Horns verbindet diesen brillant konzipierten Kopfsatz mit dem darauffolgenden Andante religioso, einer tief empfundenen Hymne in Es-Dur, in der der Solist zart und empfindlich mit den Orchesterinstrumenten dialogisiert. Das kurze Scherzo: Vivace wird von einer unterschwelligen Gewalttätigkeit beherrscht, die vor allem in dem markanten Einsatz der Pauken Erinnerungen an ein weiteres berühmtes Beethoven-Werk in d-Moll hervorruft: an die Neunte Symphonie, in der ebenfalls das Scherzo mit einem Trio von folkloristisch anmutender Naivität nebst al-fresco-Hornrufen kontrastiert. [Dieser dritte Satz wurde bei Aufführungen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts üblicherweise ausgelassen – sicherlich vor allem wegen der technischen Herausforderungen an den Solisten.] Beim abschließenden vierten Satz handelt es sich um ein Finale marziale, das die düstere Einleitung des Kopfsatzes neu aufleben läßt, um anschließend in einen aufregend martialischen D-Dur-Teil zu wechseln, der das gleiche rhythmische Hauptmotiv wie beim Finale der Fünften Symphonie Beethovens aufweist – eine offensichtliche und zugleich passende Hommage an den eigentlichen Spiritus rector des d-Moll-Konzerts. Hier erreicht der Violinsatz mit feurigen Doppelgriff- und brillianten Spiccato-Passagen den äußersten Gipfel der Virtuosität. Wirkungsvoll abgeschlossen wird das Vierte Violinkonzert mit einer strahlenden D-Dur-Apotheose.“

Fast anderthalb Jahrzehnte dauerte es, bis Brahms seine 1. Symphonie zur Vollendung brachte. Es waren nicht nur des Meister Pedanterie und dessen Perfektionismus, die Brahms immer am Werk zweifeln ließen, vielmehr war es der Schatten Beethovens und die innige Auseinandersetzung mit dessen Wirken, das dem Komponisten zu schaffen machte. Den Erwartungshaltungen, die ihm als Erben Beethovens gegenüberstanden und seinem eigenen Schaffenszweifel fielen nicht wenige seiner Arbeiten zum Opfer. Kaum ein anderer Komponist veröffentlichte sein großes Erstlingswerk so spät wie Brahms. Erst 1876 kam die Symphonie Nr. 1 c-Moll op. 68, an der er seit 1862 in immer wieder kehrenden Phasen arbeitete, in Karlsruhe zur Aufführung. Neben der weitgehenden positiven Aufnahme durch das Publikum, wurden aber auch einerseits wegen des scheinbar fehlenden Programms und der doch teilweisen sehr starken Annäherung an die Werke Beethovens Kritik, ja sogar Plagiats-Vorwürfe laut. Tatsächlich kommt Brahms Beethoven an viele Stellen kompositorisch sehr nahe, doch sind die Diebstahlsvorwürfe entkräftet. Vielmehr rechnet man Brahms die gelungene Erneuerung der Sinfonie, deren formale Enge zu dieser Zeit längst kritisiert wurde, und die er mit seiner ersten Sinfonie überwand, hoch an. Das chromatisch auf- und absteigende Werk, mit den durchgehend gegensätzlich gerichteten Linien, hebt ganz in der Tradition Haydns und Beethovens mit viel Leidenschaft und ernstem Charakter an. Der erste Satz vermittelt Ernsthaft-Konstruktives, um am Schluss ganz in der Überwindung eines schicksalhaften Konfliktes emotional zu antworten. Kopf- und Finalsatz umrahmen die Sinfonie, die von Chromatik und Dreiklangbrechung geprägt ist, als scheinbar gleichwertige Blöcke. Anders als bei Haydn, bei dem der letzte Satz keine Steigerung bedeutet, sondern das Werk eher nur ausklingen lässt, kommt es bei Brahms, wie bei Beethoven, auf den Finalsatz an. Hymnisch triumphal ist die Musik, die die Idee einer Überwindung am Ende beschreibt. Nach einem verzweifelt, sorgenvollen Beginn entfaltet sich ein emotionaler Wandel, hin zur Lösung am Schluss. [Quelle: klassik-de]